Der Hof Brünger in Eickum

Ich bedanke mich bei Wolfgang Silger, der uns diese historische Aufarbeitung als Text mit Bildern zur Verfügung gestellt hat. Am Ende der Seite kann auch die original PDF heruntergeladen werden. Alle Rechte liegen weiterhin ausschließlich bei Wolfgang Silger.

(Foto: Chronik der Schule zu Eickum)

Gott erbauete mit uns im Jahr 1843 als Johann Heinrich Brünger und Anna Ilsabein Brüngern geborene Schnassen zu Elvadissen und haben dieses Haus mit Hülfe Gottes den 23ten Juny aufrichten lassen …

So steht es in kunstvoll geschnitzten Lettern auf dem Torbalken über der Deelentür. In der wievielten Generation der Hof, das Brüngersche Kolonat, wie es im Amtsdeutsch hieß, damals schon im Besitz der Familie Brünger war, lässt sich nicht ermitteln. Sicher ist nur, dass er zu den ältesten Eickumer Höfen gehört.

Zum ersten Mal wird der Hof im Jahre 1556 im Urbar der Grafschaft Ravensberg erwähnt.

(LAV NRW W D 607 / KDK Minden, Nr. 2670)

Johan Brunger

Kompt der Ledeburschen mit Weib und Kinde zu. Gibt m(einem)
g(nedigen) Hern nichtz
Den Zehenden hat das Dhumbcapittel
Zu Paderborn

Die Familie war der Frau von Ledebur zur Mühlenburg in Spenge eigenbehörig. Mit „m(einem) g(nedigen) Hern“ meint der Schreiber den Landesherrn der Grafschaft Ravensberg, Herzog Wilhelm von Jülich-Kleve-Berg.

Im Landmessungs- und Taxationskataster von 1693 erhielt der Hof die Kontributionsnummer 10 und war damals der zehntgrößte von den 41 Höfen in Eickum. Die Brüngers waren den Ledeburs zur Mühlenburg eigenbehörig, bis sie sich im Juli 1796 freikauften.

Nach dem Urkataster von 1826 besaß der Hof 129 Morgen Land, was etwa 32 Hektar entsprach. 1914 waren es laut der Eickumer Ortschronik 36 Hektar. Zum Hof gehörten drei Heuerlingshäuser. Aus der Kontributionsnummer war die Hausnummer 10 geworden.

Gemäß dem westfälischen Anerbenrecht wurde der Hof immer nur an einen Nachkommen vererbt und blieb so ungeteilt bestehen. Üblicherweise war der jüngste Sohn der Anerbe. Fehlten männlichen Nachkommen, trat eine Tochter das Erbe an. Im 18. Jahrhundert war das bei der Familie Brünger gleich zweimal nacheinander der Fall. 1759 heiratete die Anerbin Anna Ilsabein Brünger Johann Heinrich Westermann aus Ubbedissen, der den Namen Brünger annahm. Deren Tochter, die Anerbin Anna Maria Elisabeth Brünger heiratete Heinrich Wilhelm Niemann aus Lenzinghausen, der nun auch Brünger hieß. Danach erbte Johann Heinrich Brünger (1797 – 1876) den Hof. 1822 heiratete er Anna Ilsabein Schnasse aus Elverdissen (1802 – 1846). 1843 haben die beiden das Haus gebaut, das seit 1994 unter Denkmalschutz steht.

Letzter Vollerwerbslandwirt war Jobst Brünger (* 1926). Nach einer Ausbildung zum Landwirt hatte er den Hof 1964 von seinem Vater Gustav übernommen. 1968 schloss er sein Lehramtsstudium ab war danach als Grundschullehrer tätig. Die Landwirtschaft betrieb er seitdem im Nebenerwerb. Er schaffte den arbeitsintensiven Viehbestand ab und konzentrierte sich auf den Ackerbau.

Jobst Brünger verstarb im Jahr 2000. Sein Sohn Friedrich (* 1954) übernahm den Hof und hat ihn mit seine Frau Brigitte im Nebenerwerb landwirtschaftlich bewirtschaftet. 2001 war die Familie Brünger Gastgeber der Eickumer 850-Jahrfeier.

Friedrich und Brigittes Sohn Johannes hat als Hoferbe die Hofstelle an die Nachbarfamilie Hagemann veräußert. Die Ländereien sind im Brüngerschen Besitz verblieben.

Mit einer würdigen Feier hat die Familie Brünger im Juni 2017 von ihrem Hof Abschied genommen.

Die Familie Hagemann hat die Tradition fortgeführt und den Hofplatz für die 875-Jahrfeier des Ortes Eickum im Juni 2026 zur Verfügung gestellt.

Anmerkung:
Die genealogischen Informationen stammen von Gerd Aupke (1937 – 2017), dessen Verdienst um die Erforschung der Eickumer Ortsgeschichte hier ausdrücklich erwähnt sei. Sein Nachlass befindet sich im Kommunalarchiv Herford. Die Informationen zur jüngeren Hofgeschichte stammen von Friedrich Brünger, Bielefeld, bei dem ich mich herzlich bedanke. W. S.

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