Ich bedanke mich bei Wolfgang Silger, der uns diese historische Aufarbeitung als Text mit Bildern zur Verfügung gestellt hat. Am Ende der Seite kann auch die original PDF heruntergeladen werden. Alle Rechte liegen weiterhin ausschließlich bei Wolfgang Silger.
Vorbemerkung
Dieser Beitrag zur Eickumer Schulgeschichte ist die überarbeitete Fassung eines Vortrags, gehalten 2009 in der Grundschule Eickum. Als Quelle diente in erster Linie die Schulchronik. Sie wurde 1905 vom Lehrer August Krekeler begonnen. Dieser Zeitpunkt ist insofern ungewöhnlich, als dass schon seit 1877 alle Schulen per Verordnung verpflichtet waren, eine Chronik zu führen. Das scheint in Eickum nicht der Fall gewesen zu sein. Krekeler schreibt: „Leider habe ich beim Antritt meiner Stelle 1905 keine Aufzeichnungen gefunden, die uns über die alte Schule und ihrer Lehrer hätten Aufschluß geben können. Die wenigen Notizen sind Überlieferungen alter Leute, die ich nur noch einige um Mitteilungen aus alter Zeit bitten konnte.“ Für das 18. und 19. Jahrhundert sind deshalb Akten aus dem Kommunalarchiv Herford und dem Landesarchiv NRW (Abteilungen Münster und Detmold) als Quellen benutzt worden.
Die erste Schule
Am 28. September 1717 erließ der preußische König Friedrich Wilhelm I. die „Verordnung, dass die Eltern ihre Kinder zur Schule, und die Prediger die Catechisationes, halten sollen“. Mit dieser Verordnung wurde in allen Territorien, wo Friedrich Wilhelm der Landesherr war, die allgemeine Schulpflicht eingeführt. So auch in der Bauerschaft Eickum, die zur Grafschaft Ravensberg gehörte.
Eltern und Vormünder wurden verpflichtet, „bey nachdrücklicher Straffe … Ihre Kinder im Winter täglich und im Sommer wann die Eltern die Kinder bey ihrer Wirthschafft benötiget seyn, zum wenigsten ein oder zweymahl die Woche, damit Sie das jenige, was im Winter erlernet worden, nicht gäntzlich vergessen mögen, in die Schule zu schicken“.
Die „Land-Schul-Ordnung für das Fürstentum Minden und die Grafschaft Ravensberg“ von 1754 regelte in 24 Paragraphen Einzelheiten des Schulwesens. Die Dauer der Schulpflicht wurde so festgelegt, dass „Knaben und Mädchen vom 5ten und 6ten Jahre an in die Schule zu schicken (seien) und damit ordentlich bis ins dreizehende und vierzehende Jahr continuiren und sie so lange zur Schule halten sollen, bis sie das nöthige vom Christenthum gefasset haben, fertig lesen können, auch das Schreiben und Rechnen gelernet … haben“. Bei der Ausübung ihres Züchtigungsrechtes sollten die Schulmeister „sich aller unziemlichen Heftigkeit, Eifers und Scheltens enthalten, und dagegen, soviel wie möglich, eine väterliche Bescheidenheit und Mäßigkeit dergestalt gebrauchen, daß die Kinder wegen schädlicher Lindigkeit nicht verzärtelt noch durch übermässige Strenge scheu werden.“ Außerdem „sollen die Schul-Halter den Unterricht nicht durch ihre Frauen thun lassen, wie bishero wohl verschiedentlich geschehen, dagegen die Männer ihre übrige Arbeit abgewartet haben“.
Zur Ausbildung der Lehrkräfte wurde 1772 das Schulmeister-Seminar in Minden gegründet, das später in Lehrerseminar umbenannt und nach Petershagen verlegt wurde. Es hat dort bis 1925 bestanden.
Ein Dokument, aus dem das genaue Gründungsjahr der Schule in Eickum hervorgeht, ist bis dato nicht bekannt. Lediglich zwei Schriftstücke des Lehrers Albert Heinrich Schale lassen auf ihr Alter schließen. 1783 schrieb er: „die Oldinghauser sind wenigtens 70 Jahre in die Eickumer Schule gegangen“ und 1794: „die Oldinghauser gehen seit bald 80 Jahren in die Eickumer Schule“.
Demnach dürften die Anfänge der Schule in der Zeit zwischen 1710 und 1720 liegen.
Wie den beiden Dokumenten zu entnehmen ist, gingen auch Kinder aus Oldinghausen nach Eickum zur Schule. Bis zur Bildung von Schulbezirken Anfang des 20. Jahrhunderts war es durchaus üblich, die nächstgelegene Schule zu besuchen. So gingen die Nieder-Eickumer nach Diebrock, andere nach Laar und Hollinde.
Die gesicherte schriftliche Überlieferung der Schule beginnt im November 1755 mit einem Vermerk in der Akte des Konsistoriums in Minden „Den Schuldienst zu Eickum betreffend“: „Es ist der, im Kirchspiel Herford, Bauerschaft Eickum, bisher gestandene Schulmeister Cord Heinrich Brindmann, Alters und Schwachheit halber, nicht mehr im Stande, der Information hinlänglich vorzustehen und ist daher entschlossen, seinem Schwiegersohn Albert Heinrich Schale den Dienst nunmehr abzutreten.“
Die erste Schule stand im Stuckenholz am heutigen Fuchsweg. Das Stuckenholz war eine „Gemeinheit“ oder „Gemeine Mark“. Gemeinheiten wurden vor allem als Viehweide (Hude) und zur Gewinnung von Brennholz genutzt. Das Stukenholz war gemeinschaftlicher Besitz von 32 „Markgenossen“ aus Eickum, Laar und Nieder-Jöllenbeck.
Für die Schule wurde aus dem Stuckenholz eine Fläche von etwa 3 Morgen ausgesondert, der sogenannte Schulkamp. Bei der Aufteilung des Stuckenholzes 1776 wurde der Schulkamp nach Süden hin vergrößert und reichte nun bis an den Eickumer Mühlenbach. (Bild 1) Außerdem erhielt die Schule einen „Zuschlag“ in der Fuchskuhle und einen in der Sprekelheide. Laut dem Urkataster von 1826 umfasste das Schulland 6 Morgen, 136 Quadratruthen und 38 Quadratfuß, das sind etwa 1,8 Hektar. (1 Morgen = 180 Quadratruthen = 2553 m2, 1 Quadratruthe = 14,18 m2) Der Schulmeister besaß daran das Nutzungsrecht und war so in der Lage, Nahrungsmittel für sich und
seine Familie weitestgehend selbst zu erzeugen. Eine Verordnung aus dem Jahre 1867 sah „für den ersten … Lehrer auf dem Lande neben freier Wohnung mit Wirthschaftsräumen und freiem Brennbedarf, an Land … so viel vor, als erforderlich ist, um eine Familie von fünf Personen zu ernähren und 2 Haupt Rindvieh durchzufüttern …“
Die Eickumer Schule war ein einfaches Fachwerkgebäude und glich einem kleinen Bauernhaus. Die Dreschdiele oder Deele ging von der einen Hausfront bis zur anderen und nahm mehr als ein Drittel der Gebäudefläche ein. Auf der einen Seite der Deele lagen ein Kuhstall, eine Futterkammer, zwei weitere Kammern und eine als „Waschort“ bezeichnete Nische. Auf der anderen Seite befanden sich die Wohnstube des Lehrers und die „Schulstube“. An Nebengebäuden gab es einen Stall, wahrscheinlich für Schweine, ein Backhaus und ein Bienenhaus. Mit einer Länge von 25 Fuß und einer Breite von 11 Fuß war die Schulstube 275 Quadratfuß groß, was etwa 27 Quadratmetern entspricht.
1788 bezifferte Schulmeister Albert Heinrich Schale seine jährlichen Einnahmen an barem Geld mit 48 Talern Schulgeld, 5 bis 6 Talern für das „Besingen der Leichen“ und 10 Talern aus einem nicht näher erläuterten „Opfer an die Schule“. Für jedes Kind erhielt er einen ¾ Taler Schulgeld im Jahr. 48 Taler Schulgeld bei einem ¾Taler je Kind heißt, dass 64 Kinder die Eickumer Schule besuchten.
Das „Besingen der Leichen“ bedeutete, dass der Lehrer die Trauerfeier im Haus eines Verstorbenen abhielt und die Schüler unter seiner Leitung Lieder sangen. Danach begleiteten er und die Schüler, wieder mit Gesang, den Leichenzug bis zum Friedhof nach Herford, ab 1873 nach Eickum. Die Höhe der Einnahmen hing davon ab, wie viele Leute starben und wie viele Hinterbliebene das Geld für eine solche Trauerfeier hatten. Das variierte von Jahr zu Jahr, aber auf der Habenseite machte das einen nicht unbedeutenden Posten aus.
Andere Nebeneinnahmen blieben Schale verwehrt. „Bier und Branntwein zu verkaufen, auch andere bei Gastmahlen oder sonsten mit der Musique zu bedienen, ist dem Schulmeister bei hoher Strafe gänzlich verboten“, heißt es im § VIII der oben erwähnten Landschulordnung.
Albert Heinrich Schale hat das Amt des Schulmeisters bis zu seinem Tod ausgeübt. Am 5. April 1797 ist er im Alter von 68 Jahren gestorben. Sein Nachfolger Johann Heinrich Hollmann trat im Mai 1797 seinen Dienst in Eickum an.
Hollmann wurde 1771 in Spenge als Kind eines Heuerlings geboren. Sein Vater kaufte später in Dreyen bei Enger ein Kolonat, also einen Bauernhof. 1789, mit gerade mal 18 Jahren, hatte Hollmann eine einjährige Ausbildung am Schulmeisterseminar in Minden absolviert und sollte seine erste Stelle als Lehrer in Dreyen antreten. Dazu kam es aber nicht, denn er musste Soldat werden. Beim Militär bekleidete er das Amt eines Feldküsters. Am 16. November 1793 wurde Hollmann im Elsass beim Angriff auf die Festung Bitsch nach eigenen Angaben „mit 3 Kugeln im Bein blessiert“. Schwer verwundet geriet er in französische Gefangenschaft und verbrachte fast ein Jahr in ei-
nem Lazarett in Metz. Erst im Juni 1795 kehrte er heim.
Sein Leben lang war Hollmann schwer gehbehindert und es ist überliefert, dass die Eickumer Bauern ihm bei Beerdigungen ein Pferd zur Verfügung stellten, weil er den Weg nach Herford zum Friedhof nicht zu Fuß bewältigen konnte.
Hollmann hatte es mit einer stark ansteigenden Schülerzahl zu tun. 1823 ist von 160 Schulkindern die Rede, die er in der kleinen Schulstube unterrichtete; vormittags die älteren in der ersten, nachmittags die jüngeren in der zweiten Klasse.
Im Juni 1824 klagte er in einem Brief an den Herforder Landrat: „Die Schüler können nicht zweckmäßig unterrichtet werden wegen Mangel an Raum. Seit mehreren Jahren habe ich diesem Uebel vorbeugen wollen, da ich die Schüler in 2 Abtheilungen unterrichtet habe, aber auch hierin läßt sich der gute Zweck nicht erreichen. In der 2ten Abtheilung sind die Schüler wie eingepökelt, ich selbst bin wie geschlossen in meinem Stuhl, die schreibenden Schüler liegen aufeinander auf dem Fußboden herum, ein Stoßen und Zerren fällt unter ihnen vor, daß oft nicht zu retten steht. Der vielfältig aufsteigende Dunst wird so groß, daß manchmal Schüler entlassen werden müssen, welche ohnmächtig werden.“
Mit dem Stuhl, in dem er „wie geschlossen“ war, meinte Hollmann sein Pult, das an beiden Seiten eine Tür besaß. 80 Jahre später, als der Lehrer August Krekeler nach Eickum kam, war dieses Pult, in das man sich „wie in einen Kasten einschließen konnte“, immer noch vorhanden.
Die zweite Schule
Schon 1820 hatte die zuständige Bauinspektion in Jöllenbeck das Schulhaus für so baufällig gehalten, dass sie einen kompletten Neubau vorschlug. Das gefiel aber den „Schulinteressenten“, dabei handelte es sich um die wohlhabenden Kolonatsbesitzer, überhaupt nicht, schließlich mussten sie am Ende alles bezahlen. Eine Reparatur täte es doch wohl auch, meinte man. Nach einigem hin und her nahm sich Landrat Philipp von Borries der Sache an und entschied: Es wird eine neue Schule gebaut, basta!
Dann ging alles ganz schnell – jedenfalls für heutige Verhältnisse. Im Oktober 1825 war die neue Schule bezugsfertig. Die Baukosten beliefen sich laut der Endabrechnung auf 1805 Taler 18 Silbergroschen und 8 Pfennige. Die alte Schule wurde „auf Abbruch“ verkauft, wobei noch 213 Taler als Erlös heraussprangen.
Die neue Schule lag westlich von der alten an der Stelle, wo jetzt das Haus Fuchsweg Nr. 10 steht. Auf ihrer südlichen Giebelseite hatte sie eine große Eingangstür, auf plattdeutsch „Nuienduier“, durch die man die Deele betrat. (Bild 2) An der einen Seite der Deele lagen ein Stall und eine Futterkammer, auf der anderen Seite eine Stube und ein Schlafzimmer. Das Klassenzimmer in der nordwestlichen Ecke der Schule war durch einen Flur von der Deele getrennt und mit 74 m2 fast dreimal mal so groß wie die alte Schulstube. Den Flur betrat man durch eine seitliche Eingangstür. Eine weitere Stube und eine Küche lagen dem Klassenzimmer gegenüber.
Die sanitären Anlagen für die Schulkinder, vier Plumpsklos und ein Pissoir, befanden sich direkt am Stall. Alles, was dort anfiel, landete in einer Jauchegrube, deren Inhalt dem Schulmeister als hochwertiger Bio-Dünger für seine Feldfrüchte kostenlos zur Verfügung stand und dem Nahrungskreislauf wieder zugeführt wurde. So viel zum Thema Nachhaltigkeit.
Johann Heinrich Hollmann ist 1852 mit 81 Jahren in den Ruhestand versetzt worden, nachdem er 55 Jahre lang Schulmeister in Eickum gewesen war. Kurz danach ist er dann in Herford gestorben. Zwei Jahre zuvor war zu seiner Unterstützung vorübergehend ein Hilfslehrer namens Kreft nach Eickum gekommen.
Hollmanns Nachfolge trat der Lehrer Wefelmeier an. Von ihm wird berichtet, er habe das Lehrerseminar in Soest besucht und war, als er mit 47 Jahren die Stelle in Eickum antrat, schon an verschiedenen Schulen tätig gewesen, zuletzt an der „Feldmärker Schule“ in Herford, der heutigen Grundschule Diebrocker Straße.
Wefelmeier war 26 Jahre lang Lehrer in Eickum. 1878 ist er mit 73 Jahren pensioniert worden. Der Kreisschulinspektor begründete die Versetzung in den Ruhestand: „Seine Schwerhörigkeit zwingt ihn, sich in die Nähe des gefragten Kindes zu begeben, um die Antwort desselben zu vernehmen und ist dadurch verhindert, alle Schüler im Auge zu haben. Hinter seinem Rücken sind die Kinder unaufmerksam, und, von ihm nicht gehört, sagen sie einander die Antworten vor“.
Auf Wefelmeier folgte Friedrich Otto Wöhrmann. Sein Vater besaß eine Mühle an der Werre in Schweicheln. Wöhrmann, 1841 geboren, hatte 1862 das Lehrerseminar in Petershagen absolviert und war danach 16 Jahre lang Lehrer in Vennebeck gewesen.
Über ihn schrieb sein Nachfolger Krekeler: „Wöhrmann suchte durch Gutmütigkeit und Liebe zum Ziel zu gelangen. Seine Weichherzigkeit wurde dann auch bald von den Eltern und Schülern ausgebeutet. Das Urlaubgeben und Urlaubnehmen nahm geradezu überhand. Durch allerlei Geschenke, (Wurst, Eier, Hühner, Schinken usw.), suchten die Leute ihrer Bitte Nachdruck zu verleihen, und dadurch trat Wöhrmann zu den Leuten in eine Abhängigkeit, aus der er sich später nicht wieder loszulösen vermochte“.
In der Festschrift zur 800-Jahrfeier der Gemeinde Eickum berichtete Gustav Coring über seine Schulzeit: „Wöhrmann hatte aus dem ältesten Schülerkreis Helfer herangebildet, welche den Lernanfängern Hilfeleistungen geben mussten. Mein Mentor war Friedrich A. Er hat mich 1894/95 in die edle Kunst des Lesens und Schreibens eingeführt; dabei wurde das ganze Eickumer Titular für einen schlechten Schüler über mich ausgeschüttet: Dämlack, Döskopp, dümmer oss iuse Noawer suin Ruü…“ Trotzdem hat es Coring später bis zum Professor gebracht.
Im Laufe des 19. Jahrhunderts war in Preußen die Lehrerbesoldung dahingehend geändert worden, dass die Lehrer ein festes jährliches Gehalt erhielten. Sie waren nun nicht mehr auf das Schulgeld angewiesen, dessen Ertrag je nach Anzahl der Schüler stark schwankte. Nach Einführung der Landgemeindeordnung 1841 musste das Schulgeld an die Schulkasse der Gemeinde, die auch Schulträger war, gezahlt werden.
An jährlichem Lehrergehalt bekam Wöhrmann 400 Mark aus der Schulkasse der Gemeinde Eickum und 500 Mark aus der Staatskasse. Weitere Einnahmen waren 58 Mark aus „Kirchenämtern“, 100 Mark wurden für den Ertrag aus den Schulländereien angerechnet.
Der Ertrag aus den Kirchenämtern schlüsselte sich folgendermaßen auf: 20 Mark für die Abhaltung der Betstunden zwischen Weihnachten und Pfingsten, 21 Mark für das „Besingen der Leichen“ (3 Mark für eine Beisetzung), 11 Mark für das „Beläuten der Leichen“ und 6 Mark für weitere Kleinigkeiten.
Das Besingen der Leichen wurde mit der Zeit immer weniger und hörte wohl schon vor dem ersten Weltkrieg ganz auf. Ein Grund dafür war der Posaunenchor des „evangelischen Jünglingsvereins“ in Laar. Ab 1875 gehörte Eickum zur dortigen Kirchengemeinde, zunächst als Pfarrbezirk der Münsterkirche in Herford, so dass auch Eickumer im Posaunenchor mitwirkten. Die Vereinsangehörigen gaben ihren verstorbenen Kameraden mit Posaunenbegleitung das letzte Geleit. Der Klang der Blasinstrumente gefiel den Leuten anscheinend besser als der a cappella Gesang der Schüler, und so
gingen immer öfter „die Posaunen mit der Leiche“ und nicht mehr „die Schule“. Auch Landrat Georg von Borries äußerte Kritik: „Die Sitte, daß bei Leichenbegräbnissen der Lehrer mit den Schülern … sich singend beteiligen“, schrieb er 1894 an den Leiter des Amtes Herford-Hiddenhausen, „ist meiner Ansicht nach weder schön, noch gut, noch im Interesse der Schule liegend. Ich betrachte es deshalb als erforderlich, wenn man anfängt, von einer Teilnahme der Schulen an Leichenbegräbnissen abzusehen.“
Allein der Lehrer nahm weiterhin an Trauerfeiern teil. Anfang 1939 schrieb Hauptlehrer Karl Barner in die Schulchronik: „Bisher wirkte der Lehrer bei Beerdigungen insofern mit, als daß er die gesungenen Lieder vorsprach und einige Angaben aus dem Leben des Verstorbenen, das „Personal“ verlas. Doch war im Grunde seine Mithilfe überflüssig geworden. Zum letzten Mal nahm ich an der Beerdigung des Bauern Gustav Höner zu Siederdissen (Reinke) als Lehrer teil. Damit hat die alte Sitte ihr Ende gefunden.“
Das „Beläuten der Leichen“ gehörte seit 1875, als die Gemeinde Eickum eine Glocke bekam, zu den Aufgaben des Lehrers. Ein Verstorbener wurde bis zur Beisetzung dreimal „beläutet“, sofern die Hinterbliebenen sich das leisten konnten. Darüber hinaus hatte der Lehrer den „allgemeinen Glöcknerdienst“ zu verrichten, also morgens und abends zu läuten. Dafür zahlte ihm die Gemeinde 36 Mark im Jahr. Die Glocke hing in einem hölzernen Gerüst, dem „Glockenbaum“, vor der Schule.
Das „Gesetz betreffend das Diensteinkommen der Lehrer und Lehrerinnen an öffentlichen Volksschulen“ vom 3. März 1897 stellte die Besoldung der Lehrkräfte schließlich auf eine Rechtsgrundlage, wie sie im Prinzip bis heute gültig ist. In den darauffolgenden Jahren wurden ergänzende Gesetze zur Pensionierung und zur Hinterbliebenenversorgung erlassen.
1884 hatte Oldinghausen eine Volksschule bekommen. Damit verlor die Eickumer Schule auf einen Schlag ein Fünftel ihrer Schülerinnen und Schüler. Statt 124 waren es nur noch 99, zwei wohnten in Niederjöllenbeck. 1893, die Schülerzahl war wieder auf über 130 angestiegen, kam Carl Eckey als zweiter Lehrer nach Eickum. Er blieb nur vier Jahre, aber von da an hatte die Eickumer Schule immer eine zweite Lehrerstelle.
Es war offensichtlich, dass das in die Jahre gekommene Schulgebäude mit nur einem Klassenraum bei zwei Lehrern und den vielen Schülern nicht mehr den Anforderungen genügte. Das sah auch die Regierung in Minden so und hatte 1894 eine Staatsbeihilfe von 12.000 Mark für den Neubau einer Schule mit zwei Klassenräumen in Aussicht gestellt. Aber danach tat sich so lange nichts, bis Wöhrmann im Herbst 1904 pensioniert worden war. Seinen Ruhestand verbrachte Friedrich Wöhrmann auf der elterlichen Besitzung in Schweicheln, wo er 1919 verstarb.
Bei der Suche nach einem geeigneten Nachfolger stieß Ortsschulinspektor Pastor Plath auf August Krekeler. 1881 in Petershagen geboren, hatte Krekeler dort das Lehrerseminar besucht und erste berufliche Erfahrungen in Brake bei Bielefeld, Heimsen im Kreis Minden und in Marienmünster im Kreis Höxter gesammelt. Dort, im Hochstift Paderborn, ging es ihm nach eigenem Bekunden nicht schlecht, hatte er doch nur 5 bis 9 Schüler zu unterrichten. Aber, so schrieb er, „inmitten des katholischen Zentrums sehnte ich mich doch wieder in eine Gegend mit evangelischer Bevölkerung“. Nachdem ihm Plath die Stelle in Eickum „in den glänzendsten Farben“ geschildert hatte, nahm er sie an, ohne sich vorher vom Wahrheitsgehalt der Darstellungen des Kirchenmannes überzeugt zu haben. Die Ernüchterung folgte auf dem Fuß. Krekeler schrieb: „Meine Enttäuschung war sehr groß, als ich den grundlosen Weg zur Schule und diese selbst zu Gesichte bekam. Sehr traurig sah der Garten aus. Kein Strauch und nur alte, morsche Bäume waren zu sehen.“
Für einen Rückzieher war es jetzt zu spät. Am 5. April 1905 wurde Krekeler, gerade 24 Jahre alt, in sein Amt eingeführt und ging seine neue Aufgabe mit Elan an. Als erstes, so berichtet er über sich selbst, habe er versucht, den „sehr familiären Ton seines Vorgängers beiseite zu schieben“ und sich dabei nicht nur Freunde gemacht.
Die dritte Schule (Bild auf der Titelseite)
Bei Krekelers Ankunft in Eickum machte nicht nur der Schulgarten einen traurigen Eindruck. Neben dem bereits erwähnten Pult stammte wohl auch das restliche Mobiliar noch aus der Ära des Schulmeisters Hollmann. „Mit Messern geschnittene Namen in den dicken, eichenen Tischplatten erzählten den Urenkeln, daß ihre Groß- und Urgroßväter in jugendlichem Übermute diesen Frevel begangen hatten. Schon mehrere Generationen hindurch hatte jeder entlassene Schüler seinen Namen zum Gedächtnis in die Bank hineingeschnitten“, schrieb Krekeler in die Schulchronik.
Die Schaffung eines zweiten Klassenzimmers duldete nun keinen weiteren Aufschub mehr. Nach dem Schulunterhaltungsgesetz von 1906 bildete die Gemeinde Eickum einen Schulbezirk, was bedeutete, dass alle schulpflichtigen Kinder aus Eickum diese Schule besuchen mussten. 123 Schülerinnen und Schüler hatte die Schule im Jahre 1906. Nun sollten mehr als 50 Kinder aus Nieder-Eickum, die bis dahin nach Diebrock und einige, die nach Laar und Hollinde zur Schule gingen, dazu kommen.
Eine Erweiterung des bestehenden Schulgebäudes wurde nach kurzer Prüfung als nicht zweckmäßig erachtet. Also musste ein kompletter Neubau her. Die Frage war, wo gebaut werden sollte. Am geeignetsten war zweifellos ein Platz an der „Kreischaussee“, seit 1969 Diebrocker Straße. Dort, zwischen der Eickumer Straße und der Teichstraße, wäre die Schule zentral gelegen und von Ober- und Nieder-Eickum gleich gut erreichbar gewesen. Schließlich war die Chaussee der einzige Weg in Eickum, der die Bezeichnung „Straße“ verdiente und den man auch bei schlechter Witterung benutzen konnte, ohne im Schlamm zu versinken. Von Bedeutung war auch, dass nach Auflösung des Hofes Wefing 1904 in Nieder-Eickum viele Wohnhäuser gebaut wurden und sich der Siedlungsschwerpunkt immer mehr nach dort verlagerte. Standen 1903 noch 95 Wohnhäuser in Ober-Eickum und 22 in Nieder-Eickum, waren es zehn Jahre später in Ober-Eickum 99 und in Nieder-Eickum 56 Häuser.
Krekeler setze sich vehement für den Standort an der Diebrocker Straße ein, doch er bekam bald Gegenwind. Die Bewohner aus dem Kaishagen im Eickumer Westen waren dagegen, weil ihre Kinder einen längeren Schulweg haben würden, und die Kolonatsbesitzer waren wenig geneigt, der Gemeinde das nötige Bauland zu verkaufen. Schließlich gab ausgerechnet Ortsschulinspektor Pastor Plath, der Krekeler nach Eickum gelockt hatte, den Ausschlag gegen einen Neubau an der Kreischaussee mit der Begründung, „der Lehrer muss möglichst weit weg von der Stadt wohnen“.
So wurde auch die dritte Eickumer Schule wieder im Schulkamp gebaut, und zwar ziemlich genau an der Stelle, die schon 1824 als Bauplatz vorgesehen war. Seinerzeit hatte man sich dagegen entschieden, weil er „zu weit vom Quell- und Brunnenwasser“ entfernt sei. Für den Schulneubau schickte die Regierung in Minden als Vorlage eine „Zeichnung nach Schema F“, wie Krekeler fand, „kahl und dürftig, dabei verhältnismäßig teuer.“ Die Höhe der Baukosten hatte die Regierung mit 24000 Mark angesetzt. Mit Rückendeckung vom Chef des Amtes Herford-Hiddenhausen, Amtmann von der Schulenburg, ließ Krekeler von dem Architekten Schubert einen neuen Plan anfertigen, der seinen Vorstellungen entsprach. Schuberts Entwurf war sogar um 500 Mark günstiger als der Regierungsplan und so fiel es Krekeler wohl nicht schwer, seinen Schulvorstand und die Gemeindevertreter dafür zu begeistern. Die Schule bekam zwei Klassenräume und zwei Lehrerwohnungen, eine für einen verheirateten und eine für einen unverheirateten Lehrer. Dazu kam ein Stallgebäude für das Lehrervieh.
Am 13. September 1906 wurde der erste Spatenstich gemacht. Maurermeister Brünger aus Hollinde und Zimmermeister Menke aus Eickum errichteten den Rohbau, der noch vor dem Winter fertig war. Die Tischlerarbeiten wurden Eickumer Handwerkern übertragen. Wilhelm Höner machte die Bänke, die Treppen und die Fenster für die beiden Klassenräume, Hermann Dicks die übrigen Fenster, Wilhelm Kuhlmann die Türen und Peter Läge die Pulte. Das Zierstück der Schule aber war das Türmchen auf dem Dach, in dem die Gemeindeglocke und eine Uhr ihren Platz fanden. „Der Turm wurde auf meinen besonderen Wunsch gebaut, die Turmuhr, die 700 M gekostet hat,
haben die Bewohner Eickums gestiftet. Ich habe das Geld in sehr kurzer Zeit zusammen gesammelt.“ schrieb Krekeler nicht ohne Stolz in die Schulchronik.
Am 30 Okt. 1907 wurde die Schule feierlich eingeweiht. Als Ehrengäste waren der Leiter des Amtes Herford-Hiddenhausen, Amtmann von der Schulenburg, Kreisschulinspektor Pastor Vogelsang, Ortsschulinspektor Pastor Wöhrmann (Pastor Plath hatte Herford am 1. Juli 1907 verlassen), Architekt Schubert und Krekelers Vorgänger Friedrich Otto Wöhrmann gekommen. Außerdem nahmen der Schulvorstand und die Gemeindevertreter mit dem Ortsvorsteher Peter Lindemann an der Spitze sowie zahlreiche Einwohner an der Feier teil. Vor der Schultür sprach Pastor Wöhrmann ein Gebet, danach sangen die Kinder „Bis hierher hat mich Gott gebracht“. Architekt Schubert übergab den Schlüssel an den Amtmann, der reichte ihn nach einem Hoch auf den Kaiser dem Kreisschulinspektor weiter, und der schloss dann endlich die Tür auf. Unter Glockengeläut und mit Gesang des Liedes „Unsern Eingang segne Gott“ zog die ganze Gesellschaft in die Schule ein. Im Raum der ersten Klasse konnte man ein großes Kaiserbild bewundern, ein Geschenk des preußischen Kultusministeriums in Berlin. In der zweiten Klasse hing ein Bild „Jesus segnet die Kinder“.
Über die weiteren Feierlichkeiten berichtet die Schulchronik: „In der Klasse hielten die Pastoren zu Herzen gehende Ansprachen über die Schule und ihre Bedeutung. Nach gemeinsamem Gebete schloß die Feier. Die Kinder marschierten nach Corings Hof und wurden dort festlich bewirtet, Die Mitglieder des Schulvorstandes blieben im zweiten Klassenzimmer, wo ein gemeinsames Kaffeetrinken stattfand. Nachher blieben noch alle Festteilnehmer beim Glase Bier bis zur Abendstunde gemütlich zusammen.“
Die Schule am Fuchsweg wurde für 4200 Mark an den Müller Schachtsiek aus Heepen verkauft, der sie aber nur kurze Zeit besessen hat. 1914 war der Zimmermann Läge der Eigentümer, 1938 hat er sie an die Familie Droste verkauft. Das Klassenzimmer ist noch bis 1958 als Unterrichtsraum genutzt worden. In den 1970er Jahren wurde das Haus abgerissen. Das Schulland südlich vom Fuchsweg war schon vorher verkauft worden, ebenso die Grundstücke im Sprekel und in der Fuchskuhle.
Wer jetzt glaubte, nun wäre alles gut gewesen, irrte gewaltig. Mit Beginn des Schuljahres 1908/1909 sollten die Bestimmungen des Schulunterhaltungsgesetzes umgesetzt werden. Alle Kinder aus Eickum mussten ab dem 1. April 1908 die Eickumer Schule besuchen. In Nieder-Eickum betraf das 35 Familien. Krekeler schrieb in die Schulchronik: „Nun sollte es sich bitter rächen, daß die Schule nicht an die Chaussee gebaut worden war. In Nieder-Eickum und in der Bauerschaft Thenhausen erhob sich ein Sturm der Entrüstung. Die Familienväter erhoben dagegen Protest und wandten sich an die Königl. Regierung mit der Bitte, ihren Kindern fernerhin die Schule in Dieb-
rock bzw. in Laar und Hollinde besuchen zu lassen. Zur Begründung ihrer Bitte gaben sie die weiten Schulwege an. Nun mußte die Schul- und Gemeindevertretung immer wieder den Vorwurf hinnehmen, die Schule an eine ganz verkehrte Stelle gebaut zu haben. Da aber die Gemeinde Eickum für jedes Kind, das eine Nachbarschule besuchte, 20 M zu entrichten hatte, bestand die Gemeinde auf die durch das neue Gesetz gestellte Forderung“. Am Ende war aller Protest vergebens. Bis auf fünf Ausnahmen mussten 52 Kinder aus Nieder-Eickum den langen Schulweg auf sich nehmen.
Wegen der gestiegenen Schülerzahlen bekam die Schule nun eine dritte Lehrerstelle. Am 22. Mai 1911 trat Elisabeth Depke aus Bielefeld als erste Lehrerin ihren Dienst in Eickum an.
Mit den beiden Klassenzimmern in der neuen und dem einen in der alten Schule stand jeder Lehrkraft ein Unterrichtsraum zur Verfügung.
August Krekeler ließ sich zum 1. April 1912 nach Bielefeld versetzen. „Verschiedene Gründe mögen ihn veranlaßt haben, Eickum zu verlassen“ orakelte sein Nachfolger Karl Barner in der Schulchronik.
Wie sein Vorgänger, kam auch Barner aus Petershagen und war genauso alt. 1881 als Sohn eines Landwirts geboren, hatte er das Lehrerseminar besucht und 1902 seine erste Anstellung in Hahlen bei Minden erhalten. Es folgten Stationen an Schulen in Lohfeld, Niedermehnen, Mennighüffen und Löhne-Bahnhof. Am 1. April 1912 wurde er nach Eickum versetzt und am 1. Januar 1913 zum Hauptlehrer ernannt.
Barners Startbedingungen hätten besser nicht sein können. Alles an der Schule war neu und er konnte eine modern eingerichtete Dienstwohnung beziehen. 1913 erhielt die Schule sogar elektrisches Licht. Der neue Hauptlehrer hatte allen Grund, optimistisch in seine berufliche Zukunft zu blicken. Barner organisierte jedes Jahr einen Schulausflug an Orte, die zu klassischen Zielen von Wandertagen werden sollten. Im Juni 1913 ging es zum Hermannsdenkmal und den Externsteinen, im Mai 1914 zur Porta Westfalica. Da brach der 1. Weltkrieg aus.
Im November 1914 wurde der Lehrer Gustav Berger und im Februar 1915 der Lehrer Hermann Eversmeier zum Militärdienst einberufen. Beide hatten erst im Juni bzw. Juli 1914 ihre Stelle in Eickum angetreten. Da Barner jetzt der einzige Lehrer an der Schule war, kam Elfriede Mierswa im April 1915 vorübergehend nach Eickum, bis Eversmeier nach seiner Entlassung vom Militär im September 1915 seinen Dienst wieder aufnahm. Im März 1916 erhielt auch Barner seine Einberufung. Als Ersatz für ihn kamen Friedrich Maaß (Mai bis Juli 1916) und im Oktober 1916 Friedrich Wiefering. Nach seiner Beurlaubung vom Militärdienst nahm Barner am 19. August 1918 den Un-
terricht in Eickum wieder auf. Wiefering wurde am 1. Oktober 1918 nach Enger versetzt.
Die anfängliche Kriegsbegeisterung war bald verflogen. Ende 1914 schrieb Barner in die Schulchronik: „Wer unsere Frauen bei dem ersten Kriegsgottesdienste (im August) in Laar gesehen hat, der kennt sie nicht wieder. Man sehnt sich nach Frieden, aber man spricht nicht davon.“ Vier Männer aus Eickum waren da schon gefallen, vierunddreißig sollten noch folgen.
Anfangs hatte man geglaubt, die Soldaten würden zu Weihnachten heimkehren. Nun war klar, dass der erste Kriegswinter bevorstand. „Im vaterländischen Frauenverein und von den Schülern werden Wollsachen gestrickt, Kniewärmer, Pulswärmer, Ohrenwärmer, Handschuhe mit besonderen Öffnungen für Daumen und Finger beim Schießen, Leibbinden, besonders aber Strümpfe. Die Schulkinder heften Zettel auf ihre Arbeiten, die einen Spruch und ihre Namen enthalten. Zu Weihnachten sandte die Kirchengemeinde jedem Krieger ein Paket, desgleichen auch die Gemeinde Eickum“, berichtet die Schulchronik, Schon bald gab es kriegsbedingte Auswirkungen auf den Unterricht. 1915 wurden die Pfingstferien um 14 Tage verlängert, ebenso die Sommerferien „wegen der Haferernte“, ein Hinweis darauf, dass die Schulkinder vermehrt Feldarbeit leisten mussten. Darüber hinaus wurden sie zu besonderen Aktionen herangezogen, so zur Bekämpfung des Hederichs, eine Ackerunkrauts. Im gleichen Jahr mussten die Lebensmittel
rationiert werden. Im Januar 1915 wurden alle Vorräte an Roggen, Weizen und Hafer beschlagnahmt, Ende Februar wurden die ersten „Brotbücher“ ausgegeben. „Der Krieg hat uns in manchen Dingen zur Mäßigkeit, zur Einschränkung und Sparsamkeit erzogen“, schrieb Barner 1916 in die Schulchronik. „Die Kinder bringen zum Frühstück in der Schule nur ein kleines Brot mit. Früher fanden sich in der Papierkiste massenhaft unverzehrte Brotreste, oft dick mit Butter und Schinken belegt, vor. Das ist heute
ausgeschlossen“.
Dennoch war die Ernährungslage in einer ländlichen Gemeinde wie Eickum besser als in den Städten. Fast alle Haushalte, auch die der Fabrikarbeiter und Heuerlinge, besaßen so viel Land, dass sie sich mit Grundnahrungsmitteln wie Kartoffeln und Gemüse selbst versorgen konnten. Außerdem hielt jeder etwas Vieh: Hühner, Ziegen und wenigstens ein Schwein. Im Frühjahr 1918 besuchten sieben Kinder aus Bochum die Schule. Im Gegensatz zum Ruhrgebiet gab es in Eickum wohl noch etwas zu essen.
Im November 1918 endete der erste Weltkrieg. Der Ausrufung der Republik am 9. November folgte am 27. November die Abschaffung der geistlichen Schulaufsicht. Im Zuge des Aufbaus demokratischer Strukturen wurde 1920 ein fünfköpfiger Elternbeirat gebildet. Ansonsten mangelte es weiterhin an Allem. Im Winter 1919/1920 konnte nur morgens unterrichtet werden, weil es nicht genug Heizmaterial gab. Als französische Truppen 1923 das Ruhrgebiet besetzten, wurden in Eickum noch einmal 14 „Ruhrkinder“ aufgenommen.
Erst ab 1924, nach dem Ende der Hyperinflation, berichtet die Schulchronik wieder über erfreuliche Ereignisse. In jedem Jahr wurde ein Schulausflug unternommen und eine Weihnachtsfeier veranstaltet. 1924 und 1925 gab es Spielfeste in Oetinghausen und in Stedefreund. Am 12. Juli 1925 fand das erste Schulsängerfest auf dem Hof Bartling am Reitweg statt. Neben Schülerinnen und Schülern aus Diebrock, Laar und Hollinde nahm auch der 1919 gegründete Männergesangverein Eickum unter Leitung von Fritz Gößling teil. Von 1919 bis 1934 war Gößling zweiter Lehrer in Eickum. Die dritte Lehrerstelle bekleidete Hans Meyer zu Erpen von 1921 bis 1938. Margarethe
Stamm und Gustav Rüter wurden ihre Nachfolger.
Mit Beginn der Weltwirtschaftskrise Anfang der 1930er Jahre änderten sich die politischen Mehrheitsverhältnisse auch in Eickum. Bei der Reichstagswahl 1928 war die SPD mit 194 Stimmen stärkste Partei geworden. 7 Wahlberechtigte hatten eine Partei gewählt, die unter der Bezeichnung „Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei (Hitler-Bewegung)“ auf Listenplatz 10 erstmals zur Wahl angetreten war. Vier Jahre später, bei der Reichstagswahl am 6. November 1932, erhielt die SPD noch 188 Stimmen, die NSDAP dagegen 263. Keine drei Monate später war Hitler Reichskanzler.
In Eickum holten die neuen Machthaber als erstes die schwarz-rot-goldene Fahne aus der Schule. Am 11. März 1933 wehten vom Schulturm eine schwarz-weiß-rote und eine Hakenkreuzfahne. Im Juli 1933 wurde August Stork aus dem Schulvorstand entfernt, weil er „als Sozialdemokrat dort nicht mehr bleiben konnte“. Am 1. Mai 1933 nahmen die Schulkinder erstmals am „Fest zum Tag der nationalen Arbeit“ teil, der nun ein gesetzlicher Feiertag war. Am 12. Mai 1934 wurde in der Schule der Muttertag gefeiert. Im Oktober 1937 ging der Schulausflug in den Stuckenberg zur Besichtigung der Reichsautobahnbaustelle.
Nachdem es wachsende Spannungen mit dem für Eickum zuständigen Pfarrer Ernst Rohlfing in Laar wegen dessen Nähe zur bekennenden Kirche gegeben hatte, fiel ab 1838 eine Mitwirkung der Schule bei gottesdienstlichen Veranstaltungen fort. Am Weihnachtsabend sangen die Schulkinder nicht mehr in der Kirche. 1939 wurde der evangelischen Frauenhilfe als „konfessioneller Verein“ untersagt, sich in der Schule zu versammeln.
Der Beginn des 2. Weltkriegs hatte auf den Schulbetrieb in Eickum anfangs keine gravierenden Auswirkungen, zumal kein Lehrer sofort zum Militärdienst eingezogen worden war. Allerdings mussten viele Familienväter Soldat werden. Die Schülerin Irmgard Rabe schrieb in die Schulchronik: „Es wurden viele Männer eingezogen, auch mein Vater. Er bekam am 25. Aug. 1939 Nachricht. Er musste sich in Quakenbrück stellen. Es war keine gute Stimmung bei uns im Hause. Wir warteten auf die erste Karte, dann waren wir wieder etwas ruhiger. Fast in jedem Hause mussten die Männer fort.“ Wie schon im 1.Weltkrieg, wurden Nahrungsmittel und andere Dinge des täglichen Bedarfs rationiert. „Wir müssen uns mit Lebensmitteln einschränken. Damit jeder dasselbe bekommt, werden Lebensmittelmarken ausgeteilt. Ohne diese können wir Zucker, Eier, Fleisch, Brot, Mehl, Marmelade und anderes nicht bekommen. Auch Kleidung können wir nicht ohne einen Bezugsschein oder Punkte kaufen. Ja, auch unsere Schweine bekommen nicht so viel Schrot, wie wir für sie wohl haben möchten“ (Schülerin Annelise Stückemann). „Die Schuhe bekommen wir auf Bezugsschein. Wir müssen jetzt alle alten Schuhe aus den Ecken suchen und sie mit anziehen. In der Stadt klappern jetzt wieder die Holzschuhe, denn die Leute erhalten nicht mehr so viele Stiefel, wie sie haben wollen“ (Schüler Friedel Stakelbeck).
Wie schon im 1. Weltkrieg, wurden auch jetzt die Schülerinnen und Schüler immer öfter zu Arbeiten in der Landwirtschaft herangezogen. „Die Schüler halfen eifrig bei der Ackerbestellung und es wurde viel Urlaub gegeben“ (Schulchronik 1940). „Die Schüler wurden oft zu landwirtschaftlicher Arbeit beurlaubt, so 45 Kinder am 2. Mai zum Rübenverziehen. Am 18. Juni zogen die Schüler Hederich aus dem Hafer bei Behring, desgleichen am 25. Juni.“ (Schulchronik 1942). Obligatorisch war das alljährliche Absuchen der Felder nach Kartoffelkäfern, und immer wieder wurden Heilkräuter gesammelt.
Als in der Nacht vom 13. auf den 14. Juli 1941 in Eickum die ersten Bomben fielen, 5 englische Sprengbomben in einen Runkelacker, war das noch eine Sensation. Kinder liefen zur Abwurfstelle und sammelten Bombensplitter. Die Schule erhielt nun „Luftschutzgeräte“: Eimer, Sandkisten, Schüppen und eine Wasserspritze. Bei Luftalarm wurden alle Kinder, die bis zu einem Kilometer von der Schule entfernt wohnten, nach Hause geschickt. Alle weiter entfernt wohnenden wurden auf Häuser innerhalb der 1000-Meter-Grenze verteilt. So sollte vermieden werden, dass sich viele Kinder an einem Ort aufhielten.
Anfang August 1943 kamen 6 Schüler aus den luftgefährdeten Städten des Ruhrgebiets nach Eickum. Im September 1944 musste die Gemeinde 100 Flüchtlinge aus der Aachener Gegend aufnehmen, die meisten kamen aus der Stadt Stolberg. Das führte dazu, dass Mitte September von den 189 Schulpflichtigen in Eickum 45 „Fremde“ waren. Am 3. Dezember 1944 wurden 50 Evakuierte aus Gladbeck in der Schule untergebracht. Ende Januar 1945 lebten 571 „Fremde“ in Eickum.
Am 26. März 1945 wurde der 8. Jahrgang aus der Schule entlassen und die Schule angesichts der herannahenden Front geschlossen. Eine Woche später, am Ostermontag, dem 2. April 1945, rollten spätnachmittags amerikanische Panzer, von Jöllenbeck kommend, durch Eickum.
Im Rahmen der Entnazifizierung fand eine Überprüfung aller Lehrkräfte auf ihre Tätigkeit während der NS-Zeit statt. Mitte Oktober 1945 wurde eine Reihe von ihnen wieder als Lehrer zugelassen, darunter auch Karl Barner. Am 29. Oktober 1945 wurde der Unterricht der ersten 4 Jahrgänge und am 1. Februar 1946 der Oberstufe wieder auf genommen. Ab August 1946 hieß die Schule in Eickum „Evangelische Volksschule“. Im November 1946 wurde wieder der Elternbeirat eingerichtet. Am 10. Februar 1947 musste die Schule wegen Kohlenmangels geschlossen werden. Die Schüler kamen nur zum Empfang der Hausaufgaben. Ende 1947 wurde Karl Barner in den Ruhestand
versetzt. Zum 9. April 1948 gab er seine Dienstwohnung in der Schule auf und übersiedelte nach Wunstorf bei Hannover, wo er bis zu seinem Tod 1959 gelebt hat.
Karl Barner großes Interesse galt der Natur- und Volkskunde. In Eickum vorkommende Pflanzen hat er ausführlich dokumentiert. Neben den botanischen nennt er die hochdeutschen Namen und die auch die plattdeutschen Bezeichnungen „was man in Eickum dazu sagt“: Artemisia absinthium – Wermut – Wammken, Caltha palustris – Sumpfdotterblume – Keohbleome. Das gleiche unter der Rubrik „einheimische Vögel“: Nisus communis – Sperber – Diubenschnäpper, Upupa epops – Wiedehopf – Schuithupk. Barner trug Eickumer Sprichwörter, Kinderreime, Wetterregeln und vieles andere mehr zusammen. Für die zahlreichen Gegenstände, die er gesammelt hatte, wurden 1967 besondere Schränke angeschafft. Das Geld für das Holz kam aus dem Erlös der Weihnachtsfeier. Dazu schrieb der damalige Schulleiter Friedrich Meyer zu Allendorf: „Die Sammelleidenschaft des Kollegen Barner ist einmalig und ich erachte es für erforderlich, daß seine geleistete Arbeit hervorgehoben wird. Wie mir ältere Einwohner berichten, soll längst nicht mehr alles vorhanden sein. Was ich vorfand, zeugt vom ungeheuren Fleiß des von der Gemeinde Eickum sehr verehrten Hauptleh-
rers Barner“.
Barners Nachfolger Karl Grotemeyer, geboren 1897 in Minden, war seit 1919 Volksschullehrer. 1932 wurde er Hauptlehrer in Hahlen bei Minden, an derselben Schule, an der auch Barner unterrichtet hatte. Im März 1947 war Grotemeyer, weil er mehrere Parteiämter bekleidet hatte, auf Beschluss des Entnazifizierungsausschusses und auf Anordnung der Militärregierung aus dem Schuldienst entlassen worden. Im Januar 1948 wurde er wieder eingestellt und als Hauptlehrer nach Eickum versetzt. Zu Beginn des Schuljahres 1949/50 hatte die Schule 184 Schülerinnen und Schüler, darunter 31 Flüchtlinge und Vertriebene, die von den drei Lehrern Grotemeyer, Gottschalk und Walter in vier Klassen unterrichtet wurden. Im Mai 1950 kam Fräulein Schwentker, die spätere Frau Linnemann, als vierte Lehrkraft an die Schule. Nach ihrem Ausscheiden 1957 wurde die Stelle von Erika Bergmann besetzt.
Da den vier Klassen nur drei Räume zur Verfügung standen, mussten die Kinder des ersten und zweiten Schuljahres an 3 Tagen in der Woche um 7 Uhr in der Schule sein. Eltern aus Nieder-Eickum klagten, dass ihre Kinder wegen des weiten Schulwegs schon früh um 5:30 Uhr aufstehen müssten. An den restlichen 3 Wochentagen mit Unterrichtsbeginn um 11 bzw. 12 Uhr seien die Kinder erst um 17 Uhr zu Hause und müssten dann noch ihre Schularbeiten machen. Als es Anfang 1953 die ersten Beschwerden über den Zustand des Klassenzimmers und der Toiletten in der alten Schule am Fuchsweg gab, spitzte sich die Situation zu. Die Kinder müssten morgens selbst heizen, hieß es, und bei Kälte betrüge die Temperatur 4 Grad bei Beginn und 10 Grad bei Schulschluss. Die Schulpflegschaft drohte mit einem Schulstreik. Der Gemeinderat entschied, für die alte Schule nichts mehr aufzuwenden und fasste einen Neubau ins Auge.
Ende 1956 fiel endlich der Beschluss, die Schule durch einen Anbau um drei Klassenzimmer und einen Werkraum zu erweitern. 244.000 DM wurden dafür veranschlagt. Die Grundsteinlegung war am 23. März 1957, am 3. Mai das Richtfest. Die Bauleitung hatte der Architekt Schmidt in Enger. Wie schon beim Neubau ein halbes Jahrhundert zuvor, wurden auch jetzt viele Arbeiten von Eickumer Handwerkern ausgeführt: Baufirma Gottlieb Gießelmann & Hermann Otto die Maurer-, Friedel Stakelbeck die Elektro-, Hermann Gössling die Tischler- und Rudolf Bäumer die Malerarbeiten. Die Gardienen lieferte Friedrich Wollbrink, die Außenanlagen wurden von der Gärtnerei Stranghöner gestaltet. Laut Endabrechnung beliefen sich die Baukosten einschließlich der Inneneinrichtung auf 245.716,82 DM. Der Ansatz war nur um ganze 1.796, 89 DM überschritten worden.
Leider fiel der Glockenturm mitsamt der Uhr den Umbauarbeiten zum Opfer. Als er im Juni 1957 abgebrochen wurde, fand man in einer Flasche einen handgeschriebenen Zettel mit folgendem Text: „Eickum, den 3. 6. 07. Dieser Turm ist erbaut im Jahre 1907 von Zimmermeister Menke und seinen Gesellen W. Dicks und J. Brinktrine. Zur Zeit hatte jeder von uns ein Mädchen Namens Anna Niestrat und Luise Kordes, mit diesen ließ sich vein posieren.“ (Anmerkung: sollte wohl „fein poussieren“ heißen) „Dieser Turm ist ganz trocken hoch gekommen. Der hier anwesende Lehrer hatte uns 50 Liter
Portwein versprochen, diese haben wir aber bis heute noch nicht erhalten. Zu der selben Zeit hatte ein Soldat in Minden ein Mädchen in die Wasserleitung gestochen. In der Not frißt der Teufel Fliegen, besseres Papier war nicht zu kriegen. W. Dicks, J. Brinktrine“. Dieses einmalige Zeugnis Eickumer Lyrik befindet sich jetzt im Kommunalarchiv Herford.
Im Mai 1958 war der Bau vollendet. (Bild 3) Am Sonntag, dem 8. Juni, fand die Einweihung statt, musikalisch umrahmt vom Schulchor, vom Männergesangverein Eickum und vom Posaunenchor Laar-Eickum. Im Anschluss an die Begrüßung durch Bürgermeister Rudolf Winter sprach Hauptlehrer Grotemeier den Dank der Schule aus. Es folgten Ansprachen von Landrat August Griese und Amtsbürgermeister Gottlieb Wilker (Elverdissen) sowie ein Grußwort von Pfarrer Ernst Harre (Laar). Dann übergab der Architekt dem Bürgermeister die Schlüssel. Nachdem Schülerinnen Volkstänze und einen „Reigen mit eingestreuten Versen“ dargeboten hatten, konnten die neuen Räume besichtigt werden.
Ende der 1940er Jahre wurden Gebräuche aus der Vorkriegszeit wieder aufgenommen. 1948, als wieder genug Heizmaterial zur Verfügung stand, fand erstmals nach dem Krieg eine Schulweihnachtsfeier im Saal, oder, wie man in Eickum zu sagen pflegt, „auf dem Saal“ der Gaststätte Heidlindemann am Friedhof statt. Es kamen 65 DM an Spenden zusammen – ein stolzer Betrag in einer Währung, die erst seit einem halben Jahr im Umlauf und sehr knapp war. Die Weihnachtsfeiern wurden fester Bestandteil im Jahresablauf der Schule. 1951 wurden 370 Besucher gezählt, 1953 waren es 438. Wegen des großen Andrangs mussten immer zwei Vorstellungen gegeben werden.
Ausflüge wurden auch wieder gemacht. Im März 1949 fuhr die Klasse IV (7. und 8. Schuljahr) mit dem Bus zur Porta und nach Minden. Ein Jahr später schrieb Grotemeyer in die Schulchronik: „Da sich die wirtschaftlichen Verhältnisse gebessert haben, können größere Schulausflüge unternommen werden. Die Abschlussklasse fuhr 8 Tage nach dem Rhein“. Im Juni 1956 verbrachte die 4. Klasse zum ersten Mal einen dreiwöchigen Aufenthalt im Schullandheim des Amtes Herford-Hiddenhausen auf der Insel Langeoog. Bis 1964 fuhren die Klassen III und IV (5. bis 8. Schuljahr) immer wieder für drei Wochen in die „Kajüte“.
Zum Beginn des Schuljahres 1961/62 kam eine junge Lehrerin nach Eickum, die dortbis zu ihrem Eintritt in den Ruhestand im Sommer 2000 geblieben ist: Ursula Bartling. Mit ihr waren in Eickum die weiblichen Lehrkräfte erstmals in der Überzahl. Erika Bergmann unterrichtete 54 Kinder der Klassen I und II (1. bis 3. Schuljahr), Ursula Bartling die Klasse III (4. und 5. Schuljahr) mit 39 und Hauptlehrer Grotemeyer die Klasse IV (6. bis 8. Schuljahr) 34 Kindern.
Für Erika Bergmann, die sich an die Volksschule Diebrocker Straße in Herford hatte versetzen lassen, kam zu Ostern 1963 Inge Greßhöner aus Diebrock. Sie hatte gerade ihre Ausbildung an der Pädagogischen Hochschule in Münster beendet. Zur gleichen Zeit wurde Karl Grotemeyer pensioniert und Friedrich Meyer zu Allendorf aus Elverdissen neuer Schulleiter. Grotemeyer erteilte aber „auf Grund des großen Lehrermangels“ weiterhin 18 Wochenstunden Unterricht. Im März 1974 ist er gestorben und auf dem Eickumer Friedhof bestattet. Anfang Januar 1964 verstärkte Anni Dißmeyer aus Enger als „Aushilfskraft mit 16 Pflichtstunden“ den Eickumer Lehrkörper.
Als Friedrich Meyer zu Allendorf zum 31. Juli 1967 in den Ruhestand versetzt wurde, war die Neuordnung des Schulwesens in Nordrhein-Westfalen bereits in vollem Gange. Der Beginn des Schuljahres war in zwei Kurzschuljahren 1966/67 von Ostern auf den 1. August verlegt worden. Am 17. März 1966 hatte in der Eickumer Schule die letzte Entlassungsfeier des 8. Jahrgangs stattgefunden. Ab Ostern 1966 besuchten der 7. und 8. Jahrgang, ab August 1967 auch der 5. und 6. Jahrgang die Schule in Diebrock. Dafür kamen die Kinder des 1. bis 4. Jahrhangs der Volksschule Laar nach Eickum. Im Dezember 1966 wurden erstmals Schulbusse eingesetzt.
Zum 1. August 1968 erfolgte die Auflösung der Volksschulen. Die Eickumer Schule wurde zur Grundschule. Am 1. Januar 1969 verlor Eickum seine politische Selbständigkeit und wurde nach Herford eingemeindet. Aus der Evangelischen Volksschule war die Städtische Grundschule Eickum geworden.